Der folgende Ö1 Beitrag / Buchbesprechung ist wohl auch ein Thema für unseren Berufsstand. Mir kommt dabei immer wieder die Taktikausbildung in den Kopf - leider im negativen Sinn.


Managen wie ein Polarforscher
Optimismus, Loyalität und Wertschätzung

Peter Baumgartner und Rainer Hornbostel sehen in dem britischen Polarforscher Sir Ernest Shackleton ein Vorbild für alle Führungspersönlichkeiten. Trotz - oder gerade weil - seine Antarktis Expedition 1914 scheiterte. Das bis heute gültige Credo des Polarforschers: "Manager müssen Mut machen", so der Titel des Buches aus dem Böhlau Verlag.


 


 

Was zeichnet Führungspersönlichkeiten aus?
Sir Ernest Shackleton wollte die Ehre der Engländer wieder herstellen. Nachdem der Norweger Roald Amundsen als erster am Südpol war, musste ein spektakuläres Abenteuer her: Shackleton wollte als erster den antarktischen Kontinent vollständig durchqueren. Doch die Expedition scheiterte: sein Schiff "Endurance" wurde vom Eis zermamlt, der Kapitän musste Hilfe holen und die Mannschaft verbrachte vier Monate hilflos im Eis, auf Rettung wartend. Peter Baumgartner sieht in seinem Buch "Manager müssen Mut machen" noch heute Werte, die jede Führungspersönlichkeit auszeichnen.

"Ganz vorne müssen Optimismus stehen, Loyalität und Wertschätzung - das Dreigestirn. Optimistisch heißt auch in Grenzbereichen Mut zu machen, unter dem Motto hinfallen ist keine Schande, das wieder Aufstehen ist das Wichtige", so Baumgartner. Auch die Kultur des Scheiterns, die er vor 100 Jahren gezeigt hat, sei wichtig. Heute gelinge jedem alles, vermeintlich, Shackleton hat damals schon den Fehler zum Ereignis gemacht, in der fulminantesten Reise des 20. Jahrhunderts.

Mitarbeiter wachsen lassen
Es war das heroische Zeitalter der Polarforschung. Robert Falcon Scott hatte nur ein Ziel vor Augen: die Fahne am Südpol. Dabei starben er selbst und seine Männer. Damals reihten sich dicht an dicht gescheiterte Expeditionen. Baumgartner erinnert daran, dass auch Österreich bei der Expedition Arktis Nordost ein Todesopfer zu beklagen hatte.

Der militärischer Stil war en vogue, Shackleton brach damit. "Er hatte immer einen partnerschaftlichen Führungsstil"; so Baumgartner, "er hat die Menschen mit einbezogen und immer mit Leuten umgeben, die etwas besser konnten als er selbst. Er hat Menschen auch in ihren Positionen wachsen lassen, das war das neuartige, einzigartige, für die damalige Zeit."

In seiner Beratungstätigkeit fällt Baumgartner auf, dass Firmeneigentümer oder Manager oft vergessen, ihre Mitarbeiter wachsen zu lassen. Shackleton rekrutierte seine Expeditionsmannschaft über ein Inserat, eine Methode, auf die heute noch viele Unternehmen zurückgreifen. Von über 5000 Bewerbern hat er 26 ausgewählt, und nicht nur nach ihrem Können: Er gab auch Leute eine Chance, wenn sie Optimismus ausgestrahlt haben. Charisma ist auch heute wichtig.

Von Scott zu Shackleton
Scott war lange der Nationalheilige der Briten, obwohl er die Expedition einfach schlecht organisiert hatte. "Scott hat immer alle überstrahlt, aber im letzten halben Jahr ist auch in England ein Umdenkprozess passiert", berichtet Baumgartner. Man bewerte Shackletons Verhalten mittlerweile höher als das von Scott.

Scott hatte nur das Ziel vor Augen und ist dann mit seiner Mannschaft gestorben. Shackleton hingegen war vier mal in der Antarktis und hat nie ein Menschenleben verloren. "Lieber ein lebendiger Esel als ein toter Löwe", war seine Devise.

Baumgartner sieht darin auch die Aufgabe einer Führungspersönlichkeit. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen - und nicht das Produkt oder der Profit. Baumgartner will das einigen auch hautnah vor Augen führen. Er plant im nächsten Jahr eine Antarktis Reise mit Managern. Vielleicht wird das ja den Horizont von so manchem erweitern.
Text: Ulrike Schmitzer

Hör-Tipp: Dimensionen-Magazin, Freitag, 14. März 2008, 19:05 Uhr
(der Beitrag ist auf Anfrage beim Verfasser dieses Artikels abrufbar)

Buch-Tipp: Peter P. Baumgartner, Rainer Hornbostel, "Manager müssen Mut machen. Mythos Shackleton", Böhlau Verlag

Quelle: http://oe1.orf.at/highlights/117842.html