Berufsheerbefürworter versus wehrhafte Bürger?

Wiegt Bequemlichkeit mehr als Vernunft?

 

Sowohl in der gestrigen Ausgabe der Presse als auch im gestrigen Mittagsjournal auf Ö1 kommt der Chef des Generalstabes des Bundesheeres in der Frage des Einsatzes unserer Soldaten zu Wort. Dabei könnte man erkennen, dass er Rekruten ablehnt und höchst qualifizierte Spezialisten bevorzugt. Obwohl es ohne Rekruten sowieso nicht geht – zur Unterstützung etwa.

So argumentiert er, dass Kampftaucher in der jetzigen Situation an der Grenze nicht benötigt würden und deshalb für die Leistungsschau des Bundesheeres am vergangenen Nationalfeiertag zur Verfügung standen.

Da liegt er grundsätzlich nicht falsch, weil das BMI als zuständige Behörde bislang keine Kampftaucher angefordert hat. Allerdings zählen auch Kampftaucher zur Gesamtstärke des Bundesheeres und sollten– wenn es erforderlich ist – wohl auch zu anderen Aufgaben heranziehbar sein. Auf diese und andere Spezialisten in Notsituationen zu verzichten, nur weil sie in ihrem Spezialgebiet nicht benötigt werden, wäre vielleicht ein Fehler.

Wer helfen will, wenn andere nicht mehr können, der muss alles in die Waagschale werfen. Weder darf, noch kann er sich hinter „Spezialistentum“ verschanzen, das können wir uns nicht leisten.

Das Geheimnis, warum das Bundesheer bislang alle Einsätze mit Erfolg bewältigen konnte liegt nämlich darin, dass alle Spezialisten jede der gestellten Aufgaben auch außerhalb ihres Spezialgebietes bestmöglich zu lösen versuchten.

So haben zum Beispiel Fliegerabwehrsoldaten, Panzergrenadiere, Panzersoldaten und Artilleristen Schnee geschaufelt und Sandsäcke gefüllt, wenn es erforderlich war, und haben nicht darauf gewartet, dass man sie in ihrem Spezialgebiet brauchte.

Der jetzige Assistenzeinsatz weist zweifellos ein Spezifikum auf: Er erfordert Spezialisten im Umgang mit verunsicherten aber entschlossenen Massen von Menschen. Das mag zugegebener Weise nicht das Spezialgebiet des Bundesheeres sein. Die Exekutive sollte aus ihren Erfahrungen mit Großdemonstrationen genug erfahrenes Personal verfügbar haben. Diesem zu assistieren müsste wohl jeder Soldat in der Lage sein. Auch Rekruten nach einer entsprechenden Ausbildung und unter dem Kommando eines erfahrenen Kommandanten / einer erfahrenen Kommandantin.

Vernünftig ist, die erforderliche Anzahl an Einsatzkräften quasi in einem Schichtbetrieb verfügbar zu machen, um über längere Zeit einsatzbereit sein zu können. 

Die IGBO fordert daher eine entsprechende Stärke und Anzahl an einsatzbereiten Verbänden für das Bundesheer.

Dass dies für Österreich nur im Wege der Wehrpflicht ökonomisch zu gewährleisten ist, sollte zwischenzeitig auch jedem Mitglied unserer gesetzgebenden Körperschaften einsichtig geworden sein. Ebenso sollte bewusst sein, dass es nicht möglich ist, einsatzbereite Verbände in der erforderlichen Anzahl mit einem Grundwehrdienst von 6 Monaten bereit zu stellen. Hier eine vernünftige Lösung im Sinne des Willens unserer Bevölkerung zu finden, ist Aufgabe der Politik.  

Eine vernünftige und nachvollziehbare Lösung ist zumutbar. Auch für unsere Rekruten.

Österreich soll wehrhaft sein und nicht wehrlos!