Meinung eines Offizierskameraden:

"Mir ist bewusst, dass in den Einsatzkonzepten des ÖBH vorgesehen ist, die Miliz erst dann aufzubieten, wenn präsente Kräfte nicht ausreichen sollten. Die Nichtmobilmachung der Miliz-Pionierkompanien im Zuge der Hochwasserkatastrophe 2013 hat bei vielen „Profi“-Miliz-Pionieren allerdings massive Irritierung hervorgerufen. Und ich finde es sehr schade, dass man eine Menge Chancen vergeben und auf eine Menge verzichtet hat, wie ich finde:

  1.      Wie der Presse zu entnehmen war, wurden übende Teile aus der EURAD rausgenommen…

 2.      Beim PzGrenB 13 in RIED/INNKREIS entfiel der Tag der offenen Tür, nicht nur eine jährlich einmalige Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch eine wesentliche Personalgewinnungsveranstaltung dieses KPE-Verbandes) 

3.      …und sicher noch manches mehr in allen betroffenen Räumen/Verbänden im Friedens- und Übungsbetrieb, was vermeidbar gewesen wäre.

4.      Der Motivationsfaktor für die mobilgemachte Truppe wäre sicher enorm (und vor allem praktisch unwiederholbar) gewesen – wie vermutlich auch bei den Betroffenen und anfordernden Stellen. Viele der Soldaten haben vernehmbar nur auf die Auslösung gewartet bzw. sicher mit ihr gerechnet.

5.      Unschätzbare Erfahrungswerte hinsichtlich der Reaktionszeiten bei Aufbietung bis hin zum Einsatzbeginn und -verlauf unter Real-Bedingungen

6.      Grundlagen für bzw. Rückschlüsse auf die Folgebeurteilung der materiellen Ausstattung wie auch der personellen Ressourcen von Truppen, die seit ihrer Aufstellung noch nicht geübt haben.

7.      Rechtfertigung der nicht wenig kostenintensiven Aufstellung und „show of competence“

8.      verbunden mit einer Erhöhung des „Werbewertes“ des ÖBH insgesamt („Helfen, wo andere nicht mehr können!“)

9.      Rechtfertigung der fürstlichen Entlohnung der Kameraden, die für Ihre bloße Bereitschaft mehr Geld verdienen als jeder Stabsoffizier im ÖBH

10.  Entfall der Einsatzgebühren und aller Überstunden von über 200 eingesetzten Soldaten (damit jedenfalls hätte ICH als Journalist den Minister bei einer Pressekonferenz konfrontiert)

11.  Einen „logischeren“ Einsatzzweck als dieses Hochwasser kann jedenfalls ich mir persönlich nicht vorstellen – nach dem Motto: Wann, wenn nicht dann?

12.  Liste vermutlich unvollständig J

Mit Sicherheit bindet eine Mobilmachung auch präsente Kräfte und läuft nicht kostenneutral ab, aber diese Kräfte erhalten ohnehin 5.000,- € pro Mann, ob man Sie einsetzt oder nicht…

Und wann will man das üben, wenn nicht in einem derartigen Anlass fall? Von der Auslösewahrscheinlichkeit liegen Sturmereignisse sicher bei weitem darunter. Auch wenn ich mir nicht wünsche, dass es bald wieder einen Anlass gibt, bei dem es seitens der strategischen Führung den möglichen Einsatz dieser Kräfte zu beurteilen gilt, wird wohl eine nächste Gelegenheit zur Auslösung (hoffentlich) lange auf sich warten lassen. 

Unser Kamerad Puntigam meinte übrigens in einer Online-Diskussion dazu: 

„Ich denke an das Jahr 1968 als der Grenzschutz freiwillig einrückte und wieder nach Hause geschickt wurde, ich denke an 1991 und ich denke jetzt an die vertane Chance, statt 200 Rekruten, 200 Profipioniere NICHT in den Einsatz zu schicken. Der anfordernden Politik ist es egal, wer daherkommt-Rekruten oder Profimilizionäre!“

Mit kameradschaftlichen Grüßen!"

 

Kommentar des Vorstandes:
Dieser Beitrag wurde dem Obmann der IGBO übermittelt und nimmt wohl Bezug zur Feststellung in den IGBO-Nachrichten 3/2013, Seite 2, wo seitens des Obmannes der späte Einsatz des Bundesheeres beim letzte n Hochwasser thematisiert wurde. Die Meinung unseres Kameraden stellt dazu eine Ergänzung dar.
Der Verfasser dieser Zeilen ist der Redaktion bekannt.