Auf Grund des heute in der Kronenzeitung nachzulesenden "Rücktrittsaufrufes" von Gen i.R. Hubertus Trauttenberg an den amtierenden General des Bundesheeres, General Mag. Entacher, stellen sich mir folgende Fragen:

Was mag einen im Ruhestand befindlichen General bewegen, seinen noch im Amt befindlichen Kameraden via Kronenzeitung zum Rücktritt aufzufordern?
Nun, ich kann die Frage nicht beantworten. Es ist für mich so unvorstellbar, dass ich dafür keine Gründe nennen kann. Wäre ich dieser Meinung, dann würde ich ihm es wohl mündlich-persönlich sagen. Die absolut bundesheerfeindliche Kronenzeitung dazu zu verwenden, wäre ich mir viel zu schade.

Was für mich zusätzliche Fragen aufwirft ist die Tatsache, dass die Wortmeldung des Herrn General Trauttenberg eine für mich nicht nachvollziehbare Einstellung zum Berufsstand, zur Demokratie und korrekter Berufsausübung von Offizieren erkennbar macht.

Top-Management ist Teamarbeit. Diese Feststellung Malik´s trifft auch auf die Führung des BMLVS zu. Das setzt voraus, dass jeder in diesem Team seinen Beitrag zur Entscheidungsfindung beiträgt. Und es gehört auch definitiv dazu, dass getroffene Entscheidungen zur Kenntnis genommen werden.

In Sachen Wehrpflicht kann der Herr Bundesminister die bestehenden Gesetze nicht durch seinem Entschluss verändern. Dazu ist er nicht befugt. Und es ist daher noch keine Entscheidung im Sinne des "Primats der Politik" getroffen, wenn der Herr Bundesminister die Wehpflicht abschaffen will. Dies ist dann der Fall, wenn die entsprechenden Gesetze dafür beshlossen sind und exekutiert werden müssen.

In der Diskussion bis zu diesen Entscheidungen allerdings sollten wir uns alle nicht das Wort verbieten lassen und unsere Fachmeinung darlegen. Vor allem die Verantwortungsträger.

Ich persönlich habe wiederholt erlebt, dass sich führende Offiziere des Bundesheeres bei entsprechendem (politischen) Widerstand "aus dem Staub gemacht haben". Sie haben uns - so auch mein Gefühl - im Stich gelassen! Auch wenn es als "Protest" gemeint war, es war für die Zurückbleibenden kein gutes Signal und hat augenscheinlich auch die erwartete politische Funktion nicht erfüllen können.

Daher weiss ich es zu schätzen, dass Herr General Mag. Entacher nicht davon läuft! Er stellt sich sogar beachtlichem Widerstand und sagt, was er für richtig hält. Kraft seiner Expertise, seiner Lebens- und Berufserfahrung. Wohl auch Kraft seiner Erfahrung mit der Politik.

Top-Management ist Team-Arbeit. Es muss daher als schwerer Managementfehler beurteilt werden, wenn der Herr Bundesminister und die Bundesregierung ihren ranghöchsten Berater in Sachen Landesverteidigung ignorieren. Das wäre aufzuzeigen und zu kritisieren.

General Mag. Entacher hat es sich keinesfalls verdient, für sein vorbildliches Verhalten von Kameraden und / oder der Kronenzeitung angeschwärzt zu werden!

Bezugsartkel: Kronenzeitung vom10.10.2012, Seite 2; Wehrpflicht-Verteidiger Entacher sollte sofort "den Hut nehmen" 

Anmerkung der Redaktion: Wie wir informiert wurden, hat Gen i.R. Trauttenberg während seiner Verwendung als Kommandant der 4. PzGrenBrig die Leser der Kronenzeitung als "quasi minderbemittelt" qualifiziert.
Siehe zur Sache auch:
 http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/kulisse/1298859/Wehrpflicht_General-gegen-General