Nachstehende Information der ÖOG bedarf wohl keines Kommentars:

Der Beitrag "Entacher: Berufsheer „um ein Mehrfaches teurer“" wurde von Moderator am 15. September 2012 um 19:53 auf "Die Österreichische Offiziersgesellschaft" erstellt.

Quelle: PROFIL ONLINE [1]
Generalstabschef Edmund Entacher über die Folgekosten eines Umstiegs
auf ein Berufsheer [2], falsche Berechnungen für das Darabos-Modell
und nötige Reformen für den Grundwehrdienst.

_Interview: Otmar Lahodynsky_

*profil:* Laut Zeitungsberichten werden Sie Ende Oktober in Pension
gehen. Sie verlassen die Kommandobrücke noch vor der Volksbefragung
über die Wehrpflicht?
*Entacher:* Ich habe selbst nie gesagt, dass ich frühzeitig in
Pension gehen werde, sondern stets betont, dass ich meinen Vertrag
erfüllen werde. Wir haben die Volksbefragung am 20. Jänner, ein
Schicksalsdatum für das Bundesheer und Österreich. Und daher bleibe
ich zumindest so lange auf dem Gefechtsstand.

*profil:* Droht dem Generalstab eine Spaltung in der Streitfrage
Beibehaltung oder Abschaffung der Wehrpflicht? Einige haben sich ja
bereits für ein Berufsheer ausgesprochen.
*Entacher:* Die Gefahr einer Spaltung sehe ich nicht. Zwar lässt die
Meinungsfreiheit unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema zu. Ich
glaube aber, dass nur eine verschwindende Minderheit der Offiziere,
Unteroffiziere und Soldaten für ein Berufsheer ist.

*profil:* Einige Generäle haben aber klar für die Umstellung auf ein
Berufsheer geworben.
*Entacher:* Es ist ein Merkmal der sehr wenigen
Berufsheerbefürworter, dass sie Budgetaspekte konsequent auslassen.
Damit ist die Lage von vornherein falsch beurteilt. Wenn man die
heutigen Leistungsparameter fürs Bundesheer anlegt, etwa dass wir
insgesamt nicht schwächer werden dürfen, dann ist jede Form des
Berufsheers teurer.

*profil:* Wieso?
*Entacher:* Wenn ich nur die derzeitigen Budgetkosten für unsere
Rekruten mit den zukünftigen Lohnkosten von 9000 Längerdienenden
vergleiche, dann kommen die Berufssoldaten um ein Mehrfaches teurer.

*profil:* Die Katastrophenhilfe soll die neue Profimiliz übernehmen,
die pro Jahr und Kopf 5000 Euro kassieren soll.
*Entacher:* Zunächst wehre ich mich dagegen, dass manche unserer
Rekruten, die sich seit Jahrzehnten bei Katastropheneinsätzen –
zuletzt wieder in der Steiermark – bewährt haben, jetzt als
Laienspieler heruntergemacht werden. Das Modell hat bisher bestens
funktioniert. Wenn es zukünftig 10.000 Freiwillige geben soll,
braucht man allein für diese Prämien weitere 50 Millionen Euro. Das
wäre zusammen mit den Ausgaben für Längerdienende eine Erhöhung
des Bundesheerbudgets nur durch diese beiden Maßnahmen um bereits
vier bis fünf Prozent. Das ist leider undenkbar. Wenn man es trotzdem
macht, heißt das, dass die Struktur kleiner werden muss. Oder die
Personalkosten steigen derart an, dass für Investment und laufenden
Betrieb fast nichts mehr übrig bleibt.

*profil:* Laut dem von Minister Darabos favorisierten Modell 3 soll
das Berufsheer alle bisherigen Aufgaben aber mit dem derzeitigen
Budget erfüllen.
*Entacher:* Das ist nicht möglich. Diese Berechnungen stimmen nicht
und wurden vom Generalstab so auch nie approbiert.

*profil:* Für die immer wichtigeren Auslandseinsätze braucht man
keine Grundwehrdiener.
*Entacher:* Mehr als die Hälfte unserer Soldaten im Ausland kommt aus
der Miliz oder Reserve. Die anderen sind Berufssoldaten – eine seit
52 Jahren geübte Praxis. Wir haben derzeit 1300 bis 1500 Mann im
Auslandseinsatz. Kommt das Berufsheer, sinkt diese Zahl in kurzer Zeit
um die Hälfte, weil der Milizanteil wegfällt. Das bedeutet eine
Einschränkung unserer außenpolitischen Möglichkeiten.

*profil:* Werden sich ausreichend Freiwillige fürs Berufsheer mit
Profimiliz melden?
*Entacher:* Nach meiner Erfahrung, eindeutig nein. Trotz guter
Bezahlung wurde die B-Gendarmerie oder später die Bereitschaftstruppe
bei Weitem nicht aufgefüllt. Auch bei den jetzigen
Kaderpräsenzeinheiten, also Berufssoldaten, halten wir nach einem
langen und mühseligen Aufbau jetzt bei 2000 Mann. Woher sollen dann
diese neuen 9000 Mann kommen? Das kann nicht funktionieren. Auch die
so genannte Profimiliz wird schwer zu rekrutieren sein, solange es
keine rechtliche Regelung gibt, dass so ein Freiwilliger nicht seinen
Job verliert, wenn er beim Katastropheneinsatz mitmacht.

*profil:* Aber eine Fortführung des bestehenden Heeresmodells mit
Wehrpflicht ist doch auch problematisch. Grundwehrdiener werden
hauptsächlich als Systemerhalter, als Fahrer, Köche oder Schreiber
eingesetzt. Beschlossene Reformen konnten bis heute nicht umgesetzt
werden.
*Entacher:* Da bin ich ganz bei Ihnen. Wir mussten unter Minister
Günther Platter entgegen den Empfehlungen der
Bundesheer-Reformkommission zu früh in die 6-Monate-Dienstzeit
hinein. Damals wurden auch die Waffenübungen ausgesetzt. Das waren
zwei große Schäden. Dadurch entstand großer Handlungsbedarf. Im
Jahr 2010 gab es erfolgreiche Truppenversuche, wie man den Wehrdienst
optimieren kann. Durch den Schwenk des Ministers zum Berufsheer wurden
diese Versuche praktisch beendet.

*profil:* Warum soll Österreich nicht auf ein Berufsheer umstellen,
wenn es fast alle EU-Länder getan haben?
*Entacher:* In Österreich ist manches ganz anders. Zum Beispiel sind
in Europa nur wenige Länder neutral. Das stört uns doch auch nicht.
Und bei der Aufzählung der Länder mit Wehrpflicht werden relevante
Länder oft übersehen: Finnland, Dänemark, Norwegen, die Schweiz,
aber auch Russland oder die Türkei haben noch die Wehrpflicht, nicht
nur Griechenland und Estland.

*profil:* Das neutrale Schweden ist aber auf ein Berufsheer
umgestiegen.
*Entacher:* Schweden vollzieht eine andere Politik. Die haben eine
Düsenstaffel nach Libyen oder Special Forces nach Afghanistan
geschickt. Die fahren einen anderen Kurs und haben auch ein höheres
Militärbudget. Noch einmal: Ich bin nicht prinzipiell gegen ein
Berufsheer, aber solange es dafür die finanziellen und
dienstrechtlichen Rahmenbedingungen nicht gibt, werde ich weiter vor
einem Abgehen von der Wehrpflicht warnen.

*profil:* Wie geht die Volksbefragung aus?
*Entacher:* Ich bin optimistisch, dass die Wehrpflicht erhalten
bleibt.



Links:
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[1] http://www.profil.at/articles/1237/560/342065/bundesheer-entacher-berufsheer-um-mehrfaches
[2] http://www.profil.at/articles/1237/560/342039/bundesheer-wehrpflicht-jetzt-generaele
 

http://www.oeog.at/ow10/2012/09/entacher-berufsheer-%e2%80%9eum-ein-mehrfaches-teurer%e2%80%9c/