Die bisherige Diskussion um die Wehrpflicht kommt nicht vom Fleck, bzw. dreht sich weiter im Kreis. Dabei sollen Argumente mit Umfragen untermauert werden, wie beispielsweise mit: 

"In einer Umfrage des Gallup-Instituts für die Tageszeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe) glaubten von 400 Befragten zwei Drittel (66 Prozent), dass sich genügend Freiwillige für ein bezahltes Sozialjahr finden würden.

Weniger optimistisch ist man jedoch, was den Katastrophenschutz angeht - nur 47 Prozent glauben, dass es mit einem Berufsheer genauso gut funktioniert wie mit der Wehrpflicht, 45 Prozent bezweifeln das. Der Ausgang der Volksbefragung über die Zukunft des Bundesheeres ist der Umfrage zufolge offen. Gegner und Befürworter halten sich demnach mit je 50 Prozent die Waage."

Quelle: ORF vom 09.09.12

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Also "Führen durch Meinungsumfrage".

Leider wissen wir, dass Umfragen nur bedingt aussagekräftig sind und nur wenig zu einer sachlichen Diskussion beitragen.

Die Ziellosigkeit ist auch dem Kabarettisten Thomas Maurer aufgefallen, wie er in der Sendung „Im Zentrum“ am 09.09.12 völlig zu Recht hinterfragte, was das Bundesheer denn können solle, damit man sinnvoll über dessen Strukturen diskutieren kann. Dass vor 21 Jahren nicht ausgebildete Grundwehrdiener in den Einsatz geschickt wurden war zwar fahrlässig, aber reicht wohl als Argumentation für ein Berufsheer hoffentlich nicht aus.
Wo bleiben nun die Argument für bzw. gegen eine Wehrpflicht? Wo bleiben die Fachleute aus den eigenen Reihen?

Sehr empfehlenswert ist auch der Artikel "
Wehrpflicht: Geopfert auf Altar der Moderne" von Oberstleutnant im Generalstab Detlef Buch, in der Presse vom 01.09.12 - hier erfährt man ganz andere Aussagen aus Deutschland - wider dem kolportieren Erfolg des Ausstieges aus der Wehrpflicht:

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs haben sich inzwischen 19 Mitglieder aus Nato und EU dafür entschieden, den Wehrdienst abzuschaffen und auf Freiwilligenstreitkräfte umzustellen. Nur – glücklich geworden ist damit niemand der europäischen Verbündeten. Alle erhofften Effekte, wie Einsparungen im Verteidigungsetat, mehr finanzieller Spielraum für Investitionen oder auch eine Erhöhung der Einsatzzahlen der Soldaten für die Auslandsmissionen, wurden nicht erreicht. (...)

Die Kosten einer solchen Abschaffung, die von führenden deutschen Militärökonomen auf über drei Milliarden Euro beziffert werden, hat anscheinend niemand „auf dem Plan gehabt“. Wäre diese Größe von Beginn an mit in Erwägung gezogen worden, hätte schnell deutlich werden müssen, dass die vorgesehenen 8,3 Milliarden Einsparungen im bundesdeutschen Verteidigungsetat bis 2017 zusammengeschmolzen wären, wie ein Eisbecher in der Sonne. (...)

Die dabei angestrebte Bestenauswahl zwischen den Kandidaten, die mindestens drei bis vier Bewerber auf eine Stelle nahelegt, würde somit ein Bewerberaufkommen von mindestens 60.000 bis 80.000 jungen Menschen pro Jahr bedeuten. Bei Jahrgangsstärken um die 400.000 zeigt das, wie unrealistisch die Berechnungen des Verteidigungsministeriums sind. (...)

„Jahr 1“ nach der Abschaffung. Hält man sich die blanken Zahlen vor Augen, so ist derzeit die Waage noch im Gleichgewicht – beginnt aber zu kippen. (...)

Für die 15.000 Stellen gab es im „Jahr 1“ insgesamt 20.000 Bewerber, allerdings nur 12.000 geeignete, die dann auch eingestellt wurden.
Von diesen Eingestellten lag die eingegangene Verpflichtungszeit bei durchschnittlich 14–16 Monaten. Allerdings entschied sich ein Viertel von ihnen während der sechsmonatigen Probezeit, die Bundeswehr wieder zu verlassen. (...)

Worauf es in Österreich ankommt. Wenn im kommenden Jänner in Österreich über die Wehrpflicht abgestimmt wird, bleiben noch vier Monate, um sich in Politik und Gesellschaft darüber klar zu werden, dass dies einer langen und gründlichen Vorbereitung bedarf, um die Folgen einer Abschaffung „abzufedern“ und die Wehrpflicht nicht wie in Deutschland auf dem Opfertisch zu sezieren. Hierzu gehört, dass das Gesamtbild der Streitkräfte auf den Prüfstand gehört, das heißt die Wehrpflichtabschaffung niemals singulär stattfinden sollte, sondern die Konsequenzen für eine Reform des Bundesheeres mitgedacht werden müssen.
Darunter fallen beispielsweise mögliche Kasernenschließungen, Versetzungen, Umzüge, Umschulungen, Ausmusterungen von Material oder auch aufwendige und teure Werbe- und Rekrutierungsmaßnahmen. Denn die Abschaffung, so viel steht fest, kostet erst einmal.