Frustration im Bundesheer - (k)ein Thema?

Beim Studium des Buches „Gierige Bestie - Erfolg. Demütigung. Rache" von Dr. Thomas Müller, (ecowin, Salzburg, 2006), glaubte ich erkennen zu können, dass viele Aussagen des Autors auch auf das Bundesheer und die dort arbeitenden Menschen zutreffen.

 

Seit seinem Bestehen wird das Bundesheer reformiert. Auffällig ist, dass keine der Reformen tatsächlich zu Ende gebracht worden ist und die Intervalle zwischen den Reformen immer kürzer wurden. Schließlich hat man 2006, wohl um nicht wieder eine gescheiterte Reform diagnostizieren zu müssen, die „Transformation" eingeläutet.

Kommunikation tut Not

Dr. Müller schreibt, dass Menschen Sicherheit bräuchten; Sicherheit, die zu rasch ablaufende Veränderungen nicht herstellen könnten. Es müsse Kommunikation geben - allerdings v.a. Kommunikation „auf der gleichen Ebene", damit eine Institution funktioniere.

Legt man diese Aussagen auf das Bundesheer um, so stellt man fest, dass diese Faktoren hier nicht zutreffen: Die dauernden Reformen sind nicht geeignet, Sicherheit zu geben. Die Aussagen verschiedener Politiker bei Veranstaltungen des Bundesheeres, deren mangelnde Authentizität etwa an den nicht ausreichend gegebenen Ressourcen, aber auch an den (dienst- und besoldungsrechtlichen) Benachteiligungen für Soldaten sofort deutlich wird, sind für eine prosperierende Kommunikation im Bundesheer nicht förderlich.

Auswirkungen im System

Die Frage ist, wie sich diese Faktoren und andere Einflüsse auf das „Innenleben" des Bundesheeres auswirken.

Laut Dr. Müller sei der Druck auf Führungspersönlichkeiten vor allem in Zeiten von Reformen enorm - daher wollten diese den Druck minimieren. Dies scheine dazu zu führen, dass sich Führungskräfte mit Menschen umgeben, die „keine Probleme machen". So würden vorhandene Probleme verschwiegen oder heruntergespielt: Oft würden Schuldige gefunden, um Probleme schnell zu „lösen". Mitarbeiter mit Problemen würden ignoriert, als lästig oder nicht systemkonform empfunden. Sachlich gerechtfertigte Einwände würden manchmal als persönlicher Angriff gewertet. Personen, die hinterfragen oder Einwände artikulieren, würden als Querulanten abgestempelt.

Logischer Weise können Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung am ehesten gut argumentierte Einwände vorbringen: Wer die Realität kennt, weiß, wie die Praxis funktioniert - und ist für manchen Theoretiker vermeintlich eine „Gefahr" in der Umsetzung seiner Ideen.

Frustration verhindern

Nicht vorhandenes Vertrauen, Unsicherheit, mangelnder Respekt vor Lebens- und Berufserfahrung, Angst vor dem Eingeständnis von Problemen sind Faktoren, die nach Dr. Müller Mobbing und Bossing erzwingen. Diese Faktoren sollten daher in Gemeinschaften, Betrieben und Organisationen vermieden werden, um Frustration und destruktives Verhalten zu verhindern.

Es liegt nun an jedem Einzelnen, zu beurteilen, wie es im jeweiligen privaten (zivilen) und beruflichen Umfeld aussieht. Es liegt an den Angehörigen des BMLV zu bewerten, wie sich unsere Organisation in Bezug auf die oben dargestellten Phänomene derzeit verhält.

Gute Arbeitsbedingungen sind notwendig

Sollten wir Mängel - egal wo - feststellen, so müssen wir dagegen aufzutreten und deren Abstellung verlangen, damit wir gute Arbeitsbedingungen sicherstellen und ein menschenwürdiges Arbeits- aber auch Privatleben leben können.

Die Arbeit soll „befreiend, erfüllend" sein, sonst tritt Frustration am Arbeitsplatz ein. Wer nicht gerne in die Arbeit geht, der wird durch sie belastet. Und wer diese Belastung nicht kompensieren kann, wird darunter leiden - seelisch und körperlich. Das verursacht alles Kosten für den Betrieb, für den Staat.

Mobbing und Bossing verhindern

Es wäre also im Interesse aller gelegen, Mobbing und Bossing zu verhindern sowie  Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wir alle gerne in die Arbeit gehen. Es sollte alles getan werden, um Vertrauen zu ermöglichen, um Lebens- und Berufserfahrung zu respektieren. Es sollte immer mit den Betroffenen und nie „über Betroffene hinweg" agiert werden; Argumente sollten nicht vom Tisch gewischt, sondern verständlich behandelt werden. Einwände sollten nicht als persönlicher Angriff, sondern als „Dienst an der Sache" gesehen werden.

Wir alle wollen menschlich korrekt und unserer Leistung gerecht zum Gesamtwohl beitragen, dafür aber auch korrekt und als Menschen behandelt werden. (Dieser Beitrag erscheint auch in der Zeitung DER SOLDAT)