DER ARBEITSPLATZ ALS TATORT

Das aktuelle Thema: Mobbing und Bossing 

Wer kennt ihn nicht, Dr. Thomas Müller, den Profiler, der maßgeblich daran beteiligt war, Österreichs bekanntesten „Briefbomber“ zur Strecke zu bringen?
Dr. Thomas Müller, der weltweit anerkannte Polizeipsychologe, der sich vom einfachen Streifenpolizisten zum Spezialisten emporgearbeitet hat.

Den Autor bereits dreier Bücher, das jüngste mit dem Titel „Gierige Bestie – Erfolg. Demütigung. Rache.“, erschienen im Verlag Ecowin in Salzburg, 2006.

Ich durfte Dr. Thomas Müller persönlich erleben, seine Vorstellung eben dieses jüngsten Buches hören und ihm zum Thema lauschen.

 Die allgemeinen statistischen Angaben, dass schon ca. 40% der arbeitenden Menschen in Österreich von Mobbing und / oder Bossing betroffen seien und dabei im einzelnen Fall jedenfalls ein wirtschaftlicher Schaden von bis zu 20.000 Euro eintrete, waren mir schon aus einem einschlägigen Seminar nicht unbekannt.

Das wesentlich Neue für mich aber war, dass Dr. Thomas Müller sowohl in seinem Vortrag als auch in seinem Buch (wie ich zwischenzeitig feststellen konnte) die entscheidenden Fragen in dieser Sache klar und deutlich herausschälte und benennt.

So sprach er davon, dass viele kriminelle Handlungen als letzte Konsequenz von Mobbing und / oder Bossing zu betrachten sind.
Das reicht von uns allen bekannten, in den Medien ja ausführlich dargestellten „Amokläufen“ in Schulen aber auch in Betrieben und Ämtern bis hin zu „Familiendramen“, die letztlich mit dem Tod auch unschuldiger Menschen und einem oft nicht wirklich vollzogenen Suizidversuch des „Täters“ endeten.
Eine andere Form der Reaktion beschreibt Dr. Thomas Müller in seinem aktuellen Buch. Das aber sollte jeder selbst nachlesen, wie ich meine.

Wesentlich für diese vorhin aufgezeigte Entwicklung scheint für Dr. Müller die Tatsche zu sein, dass es auf Grund der Verhältnisse in der Arbeitswelt heute vielen Menschen nicht mehr möglich ist, mit Freude der Arbeit nachzugehen.

Der Umkehrschluss liegt nahe: Wo also will man Freude erleben? In der Freizeit, in der Familie. Kann man das?
Wenn diese Fragen mit „ja“ zu beantworten sind, dann ist die Belastungsgrenze noch nicht erreicht. Wenn diese Fragen aber mit „nein“ beantwortet werden müssen, dann bewegt man sich im „roten Bereich“! Dann kann sich der betroffene Mensch, der sich wohl kaum mehr mit seinem Betrieb und seiner Arbeit zu identifizieren vermag, die Belastung aus dem Berufsleben nicht mehr kompensieren, abbauen.

Es beginnt eine nicht aufhaltbare Eskalation seiner psychischen Belastung, bis es „nicht mehr zum Aushalten ist“, die Explosion (der Gefühle?) unvermeidbar wird.

Und es beginnt damit auch destruktives bis hin zu asozialem Verhalten. Erkennbar ist das etwa in Mobbing von Gleichgestellten / gleich starken und Vorgesetzten aber auch in Form von Bossing von Untergebenen oder Schwächeren. Erkennbar ist es aber auch in Form von nicht erledigten Aufträgen / Arbeiten bis hin zu tatsächlicher Verweigerung, ungerechtfertigten Krankenständen etc. Schäden jedweder Form werden bewusst in Kauf genommen. 

Auf eine Frage aus dem Publikum betreffend die Vermeidbarkeit solcher Situationen sagte Dr. Müller bei der erwähnten Vorstellung seines jüngsten Werkes, dass durch ein entsprechendes Verhalten der Manager / Vorgesetzten in den Betrieben wieder ein Klima herzustellen wäre, das jedem dort beschäftigten Menschen zumindest die Identifikation mit seinem Betrieb und seiner Arbeit ermöglicht.

Er führte dezidiert aus, dass Manager, die das Wissen und die Erfahrung (Berufs- und Lebenserfahrung) ihrer Untergebenen nicht akzeptieren (weil sie es vielleicht selber nicht haben?) und fördern (um es sinnvoll zu nutzen), Frustration und Identifikationsverlust herbeiführen.

Er betonte weiters, dass ständiges „Herumbasteln“ an der Organisation und an Abläufen ohne Einbindung der Betroffenen im Sinne des vorhin Gesagten den gleichen Effekt herbeiführt.

Und einiges mehr sagte Dr. Thomas Müller, der anerkannte Spezialist für die Spezies Mensch.

Ich habe zuerst interessiert, dann immer mehr entsetzt hin- und zugehört.

Was ich dabei dachte und empfand? Nun ich zog, wer könnte mir das verübeln, sofort Parallelen zu „unserem Betrieb“. Zum Staat, zum Bundesheer.

Und ich erkannte, dass ein Bundeskanzler oder Parteivorsitzender, der auf ein höfliches Schreiben nicht antwortet, ein Minister, der keine Zeit für ein Gespräch hat, ein Angehöriger und Entscheidungsträger der Zentralstelle, der eine Eingabe „in den Rundordner stellt“ oder überhaupt unerledigt lässt oder doch einfach als blöd vom Tisch fegt, ein Vorgesetzter, der nicht informiert, mit seinen Untergebenen nicht spricht und so weiter und so weiter....mobbt und / oder bosst!

Ja, man soll die Dinge beim Namen nennen und nicht um den heißen Brei herumreden. Denn das könnte eigentlich schon wieder Mobbing oder Bossing sein. Jemandem schön ins Gesicht tun und hinter seinem Rücken abfällig über ihn reden. 

Wie ist das also in Österreich?

Mobben / bossen die Politiker uns Bürger?

Und wie ist das im Bundesheer?

Werden etwa bestimmte Personengruppen von anderen gemobbt und / oder gebosst? Wie sehen Sie das?