Ökonomie der Kräfte

 

Es ist im Prinzip egal, welches Wehrsystem Österreich hat. Ohne die erforderlichen Mittel wird keines funktionieren, das ist jedenfalls sicher. Sicherheit zum Null-Tarif ist unmöglich. Wer das propagiert ist ein falscher Prophet!

Wenn man sich auf diese Erkenntnis einigen kann, dann müssen auch alle zusätzlichen Faktoren betrachtet werden, die für oder gegen die möglichen Wehrsysteme sprechen.

Und da gibt es wohl für jede Gesellschaft und jedes Land spezielle Faktoren, die vielleicht sogar als Teil der jeweiligen Kultur gesehen werden können. 

In Österreich ist immer der Zusammenhalt, der freiwillige Zusammenschluss bei der Bewältigung von Problemen, von besonderer Bedeutung gewesen. Das hat sich bei allen Elementarereignissen ganz besonders dokumentiert. Es war aber immer auch das Bundesheer, das als „Rückgrat“ in schwierigsten Situationen empfunden und anerkannt worden ist. 

Zumindest die männliche Bevölkerung hat beim Bundesheer gelernt und erlebt, wie man gemeinsam Probleme löst, dass beinahe Unmögliches möglich wird, wenn man gemeinsam strukturiert und organisiert an der Lösung arbeitet. 

Diese Erfahrung ist in Zeiten steigender Entsolidarisierung wohl von zunehmender Bedeutung für unsere Gesellschaft. Das Bundesheer wird damit (wieder) zu einer „Schule der Nation“, wie die Armee schon seinerzeit den Wehrpflichtigen Lesen, Schreiben und Anderes mehr beigebracht hat. 

Das bedeutet, dass die Wehrpflicht für unsere Gesellschaft eine wesentliche Bedeutung haben kann – wenn wir positive Aspekte nicht durch andere egalisieren oder überdecken. Dazu scheint mir zu gehören, dass sich die Wehrpflichtigen ausgebeutet vorkommen, dass sie nicht zeitgemäß untergebracht oder gut genug ausgerüstet fühlen und Vieles mehr. 

Wer also für die Wehrpflicht ist muss auch für die dafür erforderlichen Mittel sein.

Wer gegen die Wehrpflicht ist, der muss sich bewusst sein, dass wahrscheinlich besondere Anstrengungen zu unternehmen sein werden, um im Konkurrenzkampf am freien Arbeitsmarkt das erforderliche Personal gewinnen zu können. Der Verdacht, dass dies einen höheren Mitteleinsatz erforderlich machen wird als bei der Wehrpflicht, ist nicht von der Hand zu weisen und wird am Beispiel der Niederlande besonders deutlich. Ein Beispiel, das in der bisherigen Diskussion in der Öffentlichkeit vermutlich aus genau diesem Grunde keine Rolle gespielt hat. 

Daher ist eine offenere Diskussion als bisher erforderlich. Daher ist - ehe man sich entscheidet - der Wert der Wehrpflicht für unsere Gesellschaft zu beurteilen und muss auch untersucht werden, wie das Bundesheer (nicht durch Material oder Organisation) mit diesem Wert umgeht.  

Wir werden uns bemühen, Sie mit Fakten und Informationen zu dieser Frage auszustatten und diese in den nächsten IGBO-Nachrichten zu publizieren.