Die Wehrpflicht und das Bundesheer -
ein Bündel wichtiger und daher seriös zu diskutierenden Fragen!

 In den letzten Tagen mehren sich Kommentare in den Zeitungen, die das Ende der Wehrpflicht auch in Österreich ansprechen.

Dazu hat die IGBO zwar keine Beschlüsse gefasst, ich erlaube mir aber trotzdem auf folgende Aspekte hinzuweisen und deren seriöse Diskussion zu fordern:

1) Die Behauptung, das römische Reich habe ab dem Zeitpunkt zu zerbrechen begonnen, ab dem sich keine Römer mehr für den Dienst in den Legionen meldeten, ist zwar schwer zu belegen aber auch schwer zu widerlegen.
Daraus ließe sich ableiten: Wenn sich innerhalb einer Gemeinschaft niemand mehr für den Dienst an dieser zur Verfügung stellt, dann ist das kein Zeichen der Lebenskraft und des Überlebenswillens dieser Gemeinschaft.
Die zu diskutierende Frage ist daher, ob wir als Republik Österreich und als Österreichische Bürger und Bürgerinnen das so sehen und auch akzeptieren, dass dies von anderen so gesehen werden kann.

2) Demokratie ist eine schwierige Form des Zusammenlebens, weil es einer ständigen Konsensfindung aber auch Rechtfertigung bedarf.
Wenn hinter den eingangs angesprochenen Wortmeldungen aber die Idee steckt, diese Regeln nicht mehr einhalten zu müssen sondern vielmehr (siehe auch die Forderung von Bgdr i. R. Mag. Jilke) mittels eines neuen Dienstrechts für Soldaten mehr Freiheiten für bestimmte Funktionen zu bekommen, dann scheint mir das eine nicht ausreichende Begründung.
Führen in einer demokratischen Umgebung erfordert besondere Fähigkeiten und Qualitäten der Führungskräfte. Von diesem Niveau abzuweichen bedarf meiner bescheidenen Meinung nach ebenfalls einer ehrlichen und offenen Diskussion.

3) Ein funktionierendes Bundesheer erfordert die Aufwendung einer entsprechenden Menge Geld.
Die Wehrpflicht damit in Zusammenhang zu setzen ist meiner Meinung nach nicht richtig, weil mit der Wehrpflicht auch andere Fragen in verknüpft sein müssen und daher eine Reduzierung auf "Euros" für eine sachliche Diskussion nicht ausreicht.
War das österreichische Heer schon zu Zeiten Maria Theresia´s "eine Schule der Nation", so muss man diese Frage gerade in den heutigen Tagen aktualiseren und diskutieren.
Steigende Unfähigkeit in Lesem und Schreiben, sinkende Volksgesundheit und mit Sicherheit noch viele andere Fragen müssen in diesem Zusammenhang seriös erörtert werden, um zu einer sachlich fundierten Meinung gelangen zu können.
Und erst als letzter Aspekt ist dann die Frage zu stellen: Wieviel ist uns das alles wert?

4) Ein wichtiger Aspekt ist natürlich auch die Frage, wieviel Österreich gewillt ist in die Europäische Gemeinschaft einzubringen.
Es muss uns klar sein, dass Geld gerade in dieser Frage nicht alles sein kann und dass man uns nur so lange ernst nehmen wird, als wir seriös sind. Denn: Jeder Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht! Das ist an Hand der derzeitigen Krise in den Wirtschaften mancher EU-Mitgliederstaaten wohl nachvollziehbar.
Genauso wie nachvollziehbar ist, dass Soldaten eine Armee ausmachen und nicht das Geld. Wenn wir also ernsthaft an einer Kooperation in der europäischen Sicherheits- und Außenpolitik interessiert sind, dann genügen ein paar Euro nicht. Dann muß Österreich auch andere Faktoren einbringen. Und auch darüber scheint mir eine seriöse Diskussion zwingend erforderlich.