Wann ist es endlich genug?

In den letzten Tagen ist das Bundesheer - also wir! - tagtäglich mit negativen Schlagzeilen in den Medien.
Desolate Kasernen, kaputte bis nicht vorhandene Kampf- und Transportfahrzeuge, Unwirtschaftlichkeit und viele andere Behauptungen stehen im Raum.
Und dann gibt es eine Reihe von Kommentaren. Etwa von der ÖOG (z. B. zur Frage der Miliz). Aber auch von anderen Stellen kommen ausreichend Feststellungen und Meinungen.

Nun, wir kennen die Wahrheit und den tatsächlichen Zustand des Bundesheeres. Und die IGBO hat immer wieder eingemahnt, die Meinung der in der Praxis erfahrenen Führungskräfte des Bundesheeres in einer offenen und ehrlichen Diskussion anzuhören und zu berücksichtigen.

Das hat man - egal aus welchen Überlegungen heraus - bisher nicht gemacht. Man wollte sich offensichtlich keinen unbequemen Diskussionen stellen und damit Meinungen entsprechend begründen müssen. Man hat einfach und vielfach ausschließlich nach „papierenen Modellen" entschieden. Und der Erfolg liegt nunmehr im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Hand".

Ist das ein spezielles Phänomen im Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport?

Nein, behaupte ich, kann es schon deshalb nicht sein, weil das BMLVS ja ein Teil der österreichischen Gesellschaft ist. Es muss dies daher ein Phänomen Österreichs sein. Und das scheint tatsächlich zu stimmen, wenn man die Zustände in anderen (ursächlich öffentlichen) Bereichen betrachtet. Ich denke etwa die Bundesbahnen, die Post, die Justiz und viele andere mehr.

Man könnte sich daher ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen fragen, wo in Österreich noch mit gesundem Menschenverstand und mit Respekt vor Erfahrung "geführt" wird. Oder auch: Wo werden Ziele vorgegeben, die auch durch "ihre Erfinder" realisiert werden können?

Wohl jeder kann verlangen, einen bestimmten Prozentsatz an Geldmittel einzusparen. Kann das aber auch jeder realisieren? Auch dann, wenn sich Rahmenbedingungen sogar verschlechtern? Zum Beispiel weil mehr bzw. öfter Rekruten auszubilden sind, weil weniger Personal verfügbar ist, weil Gerät der Wartung und Instandhaltung zugeführt werden muss, weil sich Unterkünfte und Gerät „verbrauchen", weil ..... - die Liste ließe sich beinahe endlos weiterführen.

Papier ist geduldig. Und wenn man nicht „rechtfertigen" muss, was man auf das Papier schreibt, dann ist scheinbar alles in bester Ordnung. Für die Politik zumindest.

Nur: Irgendwann kommt der Punkt, wo man der Realität in´s Auge sehen muss. Niemand kommt auf Dauer um die Wahrheit herum, sie hat noch jeden eingeholt.

Drum: Schweigen wir nicht, bleiben wir bei der Wahrheit nach innen und nach außen!

Nach innen, weil wir sonst das letzte Quäntchen an Glaubwürdigkeit und damit Gefolgsbereitschaft unserer Untergebenen aber auch unseres Auftraggebers, unseres Volkes, verlieren.
Nach außen, weil wir uns sonst mitschuldig machen. Mitschuldig daran, dass es irgendwann nicht mehr geht, dann auch das Vertrauen in die Demokratie zerbricht, der Ruf nach „starken Männern" ertönt und alle „falschen Götzen" nachlaufen.

Das sollten wir bei all unserem Tun bedenken!
AS