83 junge Berufsoffiziere des Jahrganges Colleredo Mansfeld feierten vergangenes Wochenende die Sponsion zum Magister FH und die Ernennung zum Offizier des Truppendienstes.

Dazu gratuliert die IGBO sehr herzlich!

83 von möglichen 88. 5 haben es sich anders überlegt und wollen sich unmittelbar einer weiteren (zivilen) Ausbildung unterziehen.

Dazu ist aus Sicht der IGBO folgendes anzumerken:

So schön es ist, dass sich wieder junge Menschen für unseren Beruf entschieden haben, so sehr schmerzt aber auch jede Entscheidung gegen eine Berufslaufbahn als Offizier des Truppendienstes.

Die Abmeldung von 5 Aspiranten für den Berufsoffizier unmittelbar nach Abschluss des Studiums und vor der Ausmusterung ist zwar nichts Außergewöhnliches und auch nichts unmittelbar Bedrohliches. Trotzdem sind die konkreten Gründe zu hinterfragen und ist Ursachenforschung anzustellen, um mögliche „Fehlerquellen" frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls gegensteuern zu können.

Der Umgang mit den Studierenden an der TherMilAk muss wohl so sein, dass möglichst keiner (keine) auf die Idee kommt, nicht Berufsoffizier werden zu wollen.
Das erfordert - dessen sind sich die Verantwortungsträger bis an die Spitze des Bundesheeres sicher bewusst - aber auch entsprechende Rahmenbedingungen. Denn der Vorteil des breiten Berufspraktikums während der Ausbildung schließt auch den (geringen) Nachteil ein, dass die Realität vor den Studierenden weder zu verheimlichen noch zu beschönigen ist.

 Und die Realität des Bundesheeres in finanzieller Hinsicht wurde wiederholt sowohl von der Österreichischen Offiziersgesellschaft als zuletzt auch von der Führungsspitze des Bundesheeres medial offen dargestellt: Wir stehen eigentlich ohne Geld da!

Das kommt in vielen Punkten ganz klar zum Ausdruck und da können auch einige wenige neue Fahrzeuge nicht darüber hinwegtäuschen.

Sparen ist gut. Jedem -auch den jüngsten - Soldaten ist aber klar, dass es im Bundesheer Bereiche gibt, wo sparen schlicht unmöglich ist, ja sogar zur Gefahr wird.

Zum Beispiel dann, wenn dadurch das Training für die Truppe unmöglich wird. Soldaten die nicht mehr üben können sind extrem gefährdet. Ich behaupte sogar, dass sie dadurch mehr gefährdet sind als durch unmoderne Ausrüstung. Vor allem dann, wenn unter Umständen auch vor einem Einsatz keine Zeit bleibt, das Versäumte nachzuholen.

Als Beweis dafür sehe ich folgende Annahme: Ein bestens ausgebildeter und trainierter Judoka hat auch gegen einen modernst ausgerüsteten Soldaten immer noch bessere Chancen als ein gut ausgerüsteter aber untrainierter Kämpfer. Einstellung und Motivation spielen dabei natürlich auch eine entscheidende Rolle.
Das gilt meiner Erfahrung nach für einzelne Soldaten gleichermaßen wie für militärische Formationen.

Daraus leite ich beispielhaft folgende Fragestellungen ab:

  • -  Welche Motivation soll ein Maturant haben, der nach einer mehrjährigen akademischen Ausbildung weiterhin als Maturant betrachtet und auch so besoldet wird? Wo, außer beim Bundesheer, gibt es das?
  • -  Welche Motivation sollen Soldaten haben, die aus Geldmangel nicht üben dürfen?

Jeder normal denkende Mensch muss ein Masochist oder ein unbelehrbarer Idealist sein, wenn er (sie) das realisiert und sich trotzdem für den Offiziersberuf entscheidet.

Es wird - das liegt im Sinne der oben abgeleiteten Fragen - wohl auf der Hand: Sowohl durch die politische als auch die militärische Führung wird versucht, beim Personal zu sparen.
Dabei werden leider fallweise Argumente verwendet und auch Taten gesetzt (siehe BDG-Novelle 2007), die durchaus an das feudalistische Mittelalter erinnern, wie es mir etwa in den historischen Romanen von Ini Lorentz bestens recherchiert und dargestellt scheint.

Es gibt aber auch Lichtblicke! Der Chef des Generalstabes des Bundesheeres, Gen Mag. Entacher, hat in seiner Ansprache bei der Sponsion 2008 davon gesprochen, dass die Einstufung der Absolventen der TherMilAk ein Problem darstellt und man dafür eine Lösung finden wird müssen. Erstmals wurde mit so deutlichen Worten durch den ranghöchsten Offizier des Bundesheeres dieses Problem angesprochen.

Das ist ein deutliches Signal dafür, dass es der IGBO gelungen ist, Problembewusstsein zu schaffen und damit eine Bearbeitung und Lösung dieses Anliegens überhaupt erst zu ermöglichen.

Bei der Politik allerdings sind wir noch nicht so weit. Hier konnten wir zwar in diversen Gesprächen durchaus Verständnis vorfinden, ein (öffentliches) Bekenntnis dazu aber ist noch ausständig.

Daher werden wir mit aller Kraft daran arbeiten müssen! Ich fordere alle Offiziere kameradschaftlich auf, die IGBO dabei zu unterstützen. Durch entsprechende Aussagen in Gesprächen mit Politikern aller Ebenen und Parteien, durch einschlägige Leserbriefe in allen Medien aber vor allem durch einen Beitritt zur IGBO!

Arbeiten wir gemeinsam zum Wohle des Offizierskorps, zum Wohle des Bundesheeres und damit zum Wohle Österreichs!


Siegfried Albel, MSc MSD, Obst
Obmann der IGBO