Die IGBO hat mit einiger Verwunderung die heutige Aufregung um (politische) Absichten für das Bundesheer zur Kenntnis genommen. Dies deshalb, weil ja gerade in den letzten Monaten klar geworden sein müsste, dass man vorbereitet sein muss, um im Bedarfsfall handlungsfähig sein zu können.

Der von manchen als „Kahlschlag der Landesverteidigung“ bezeichnete nunmehr in Gang gesetzte Diskussionsprozess wird mit Sicherheit einige Zeit in Anspruch nehmen und wohl auch von erforderlichen Gesetzesänderungen (etwa Änderung der Bundesverfassung) sowie auch außenpolitischen Aspekten begleitet werden. Denn es wird erforderlich sein, den anderen Mitgliedsstaaten der EU zu erklären, warum Österreich seine militärischen Fähigkeiten in der Solidargemeinschaft praktisch auf Null reduziert, während andere sich um eine Erhöhung bemühen. Denn alleine in Ausbildungsfragen oder durch Bereitstellen einiger Offiziere für diverse Stabsstellen dabei sein zu wollen, wird auf Dauer kaum akzeptabel sein, auch wenn dies qualitativ hochwertig erfolgt.

Es muss den handelnden Personen klar sein, dass sich die Vorbereitung Österreichs auch auf militärische Krisen nicht ohne eine breite Diskussion mit allen politischen Parteien und besonders mit allen Betroffenen und nicht kostenlos herbeiführen lässt.

Es muss auch allen handelnden Personen klar sein, dass nur Offenheit und Ehrlichkeit zu einer vernünftigen und leistbaren Lösung führen können.

Für die IGBO ist klar, dass wir Soldaten sein wollen und diesen Beruf auch mit Aussicht auf Erfolg ausüben wollen. Für Österreich und unsere Bevölkerung. Und wir helfen gerne, wann immer es erforderlich ist

Genauso klar ist aber auch, dass wir keine Hilfspolizisten, Lagerarbeiter oder sonstige Hilfskräfte sein wollen. Wollten wir das, hätten wir einen entsprechenden Beruf ergreifen können.

Es scheint jetzt an der Zeit, dass sich die Politik Österreichs und die Bevölkerung entscheiden müssen, ob sie Soldaten haben wollen oder nicht. Und es muss dabei jedem bewusst sein: Keine eigenen Soldaten zu haben ladet fremde Soldaten ein!

Das aber wollen österreichische Soldaten sicher nicht!

Wir kennen und schätzen das Primat der Politik. Daher warten wir gelassen die entsprechenden und hoffentlich klugen Entscheidungen ab. Unbeschadet davon werden wir uns in den Meinungsbildungsprozess natürlich einbringen.

Dr. Siegfried Albel, Obst i.R.
Präsident der IGBO